Sonntag, 27. März 2016
Die Vorfreude
Sacht schlich sie auf nackten Füßen durch das dunkelgrüne Moos. Ihr Atem bildete kleine hellle Wolken vor ihrem Mund. Kurz hielt sie inne um zu lauschen. Ein schneller Blick über die Schulter, dann bewegte sie sich rasch zum nächsten Baum, um sich hinter dessem breiten Stamm zu verstecken.
Ihre Atmung war gepresst. Vorsichtig lugte sie hinter dem Baum hervor. Da! War das ein aufblitzen eines Ärmels hinter der Lerche? Oder nur ein Spiel des Lichts? Auf den zweiten Blick war nichts zu erkennen. Doch plötzlich das Knacken eines Zweiges! Blitzschnell fuhr sie herum, doch es war nichts zu erkennen. Ihr Herz schlug so laut, dass sie befürchtete ihr Verfolger könnte es hören. Ihr Blut rauschte so laut, dass sie das Rascheln der Bäume im Wind kaum noch wahrnahm. Die Anspannung schien sie schier zu zerreißen.
Langsam ging sie rückwärts, setzte dabei vorsichtig einen Fuß hinter den anderen. Sie versuchte alles im Blick zu haben, jede Bewegung wahrzunehmen. Plötzlich stieß sie mit dem Rücken gegen etwas hartes. Sie spürte heißen Atem in ihrem Nacken.
"Hallo Alana. Ich habe auf dich gewartet." sagte eine raue Stimme leise.
Eine Gänsehaut überzog ihren Körper als sie sich langsam umdrehte.
"Nein" flüsterte sie erfüllt von Grauen.
Sie versuchte nach hinten auszuweichen doch ihr Verfolger packte sie an den Arm und zwang sie so mit an Ort und Stelle zu verharren.
Leicht grinsend beugte er sich vor bis sein Gesicht dem ihrem sehr war.
"Weißt du was das bedeutet?" fragte er sie erregt. Sie nickte niedergeschlagen. Plötzlich ließ er von ihr ab und tat einige Luftsprünge.
"Du übernimmst meine Aufgaben auf dem Hof und ich kann früher zum Lichterfest!" jubilierte ihr Bruder triumphierend und wacklte grinsend mit den Spitzen Ohren.
Alana zog eine Schnute und schwieg. Widerspruch war zwecklos. Wer sich ungesehen an den anderen heranschlich hatte gewonnen, dass war die Abmachung die die Geschwister vereinbart hatten. Der Verlierer übernahm die täglichen Aufgaben des anderen, denn diese mussten, Lichterfest hin oder her, erledigt werden.
"Keine Sorge ich erzähl dir morgen wie prächtig es war als die Artisten der Königin ihren Lichtertanz aufführen." meinte der Elf lachend. "Im Stall wirst du davon wohl nicht viel mitbekommen."
"Schon gut, lass das." brummte Alana genervt. Sie musste heute nicht nur die Tiere füttern und in die Stallungen treiben, sie musste diese nun auch vorher ausmisten.
Versöhnlich legte Isan einen Arm um ihre Schultern.
"Vielleicht kann ich ja ein bisschen helfen."
"Nein. Du hast gewonnen. Geh ruhig und amüsier dich."
Ihr Bruder drückte ihr einen Kuss auf die Wange und rannte auf die Lichtung zu, wo sich ihr Hof befand, um seine Tasche zu holen. Seufzend folgte Alana ihm. Sie rannte nicht, doch fiel sie in einen Trab, immerhin wollte sie schnell mit der Arbeit fertig werden um ihrer Familie zu folgen, denn auch sie war bereits gespannt die Königin zu sehen. Seit dem Krieg vor zwei Jahren war endlich wieder Ruhe eingekehrt und die ausgelassenen Feiern konnten wieder stattfinden.
Nun fing Alana doch an zu rennen, wenn sie an das hellgrün schimmernde Kleid dachte, dass auf ihrem Bett lag. Voller Vorfreude betrat sie die Lichtung.

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