Sonntag, 17. April 2016
Abschied
"Und erst jetzt, zu spät, merke ich, was du mir bedeutest hast. Es tut mir leid, dass ich dich enttäuscht habe..."
Ich faltete den Brief wieder zusammen, wie ich es den ganzen Tag bereits tat.
Absurderweise belustigt mich dein Leid, trotz das mein Herz bei deinen Worten schwer wurde. Ich erinnerte mich an deine Art, wie wechselhaft du warst. Wie tief und oberflächlich du sein konntest. Manchmal hatte ich das Gefühl gehabt, dass niemand dich durchschauen könnte. Du warst wie ein Eisberg auf dem Meer, dessen Spitze man nur erkennen konnte. Doch der Kern war unter der Oberfläche, verborgen vor flüchtigen Blicken.
Aber das machte dich nicht zu etwas besonderen und ganz sicher nicht zu etwas besseren.
Ich dachte an unsere Geschichte, den Lebensabschnitt den wir geteilten hatten. Ich denke an alles was ich aufgegeben habe und frage, ob es das wert war. Ich mag nicht verleugnen, dass ich noch etwas für dich fühle, aber es ist nur noch der glühende Docht einer verbrannten Kerze. Denn unsere Geschichte ist nun Geschichte.
"Ich hoffe, dass du was besseres als mich findest und glücklich wirst."
Das hoffe ich auch für dich. Ehrlich. Auch wenn du es nicht verdienen magst.
Aber ich sage mir doch letztendlich: Es ist mir egal. Du bist Vergangenheit und keinen Gedanke mag ich mehr an dich verschwenden.
Denn meine Augen sind auf eine neue licht- und wärmespennende Kerze gerichtet. Mit der Hoffnung, mich nicht erneut zu verbrennen.






Lebewohl.

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Freitag, 1. April 2016
Doppelte Unendlichkeit
Beharrlich klopfte der Regen am Fenster und hielt mich wach. Es schien fast als ob er mir etwas mitteilen wollte, denn das Klopfen auf dem Glas hatte fast etwas menschliches. Unruhig wälzte ich mich im Bett, der Schlaf schien nicht über mich kommen zu wollen. Wie gerne hätte ich die Sterne gesehen, die sonst in mein Zimmer funkelten, doch der dunkle Himmel war von Wolken bedeckt.
Mein Zimmer kühlte langsam aus und ich zog die Decke etwas fester um mich.
Ich war so müde, meine Schultern schmerzten und mein Kopf brummte. Doch ich konnte keine Ruhe finden, aber es lag nicht am Regen. Meine Gedanken zogen wirre Kreise durch meinen Kopf und sie drehten immer schneller bis mir schwindlig wurde und ich sie aus schielt.

Dann war alles leer.

Stille.

Mein Zimmer war dunkel und ich starrte nur noch an die weiße Decke.
Und plötzlich kam er - unbemerkt - und drückte meine Augen Lieder runter. Ließ meinen Körper zusammenrollen und meine Seele in ein dunkles Loch voller Träume versinken.

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Dienstag, 29. März 2016
Sehnsucht
Wie der Wind der durch dein Gesicht streift und eine eigenartige Leere in dir hinter lässt. Dieses aufkommende leicht brennende Gefühl im Inneren, dass dich dazu bringt, mit dem Wind gehen zu wollen. Ihm zu folgen, in ferne Länder, unendliche Weiten. In dir entsteht ein Verlangen nach Unbekannten, eine nie zuvor gespürte Leidenschaft.
Und ein Anklang von Trauer - und Neid. Die Einsicht, dass du dem Wind nie folgen wirst.

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Sonntag, 27. März 2016
Die Vorfreude
Sacht schlich sie auf nackten Füßen durch das dunkelgrüne Moos. Ihr Atem bildete kleine hellle Wolken vor ihrem Mund. Kurz hielt sie inne um zu lauschen. Ein schneller Blick über die Schulter, dann bewegte sie sich rasch zum nächsten Baum, um sich hinter dessem breiten Stamm zu verstecken.
Ihre Atmung war gepresst. Vorsichtig lugte sie hinter dem Baum hervor. Da! War das ein aufblitzen eines Ärmels hinter der Lerche? Oder nur ein Spiel des Lichts? Auf den zweiten Blick war nichts zu erkennen. Doch plötzlich das Knacken eines Zweiges! Blitzschnell fuhr sie herum, doch es war nichts zu erkennen. Ihr Herz schlug so laut, dass sie befürchtete ihr Verfolger könnte es hören. Ihr Blut rauschte so laut, dass sie das Rascheln der Bäume im Wind kaum noch wahrnahm. Die Anspannung schien sie schier zu zerreißen.
Langsam ging sie rückwärts, setzte dabei vorsichtig einen Fuß hinter den anderen. Sie versuchte alles im Blick zu haben, jede Bewegung wahrzunehmen. Plötzlich stieß sie mit dem Rücken gegen etwas hartes. Sie spürte heißen Atem in ihrem Nacken.
"Hallo Alana. Ich habe auf dich gewartet." sagte eine raue Stimme leise.
Eine Gänsehaut überzog ihren Körper als sie sich langsam umdrehte.
"Nein" flüsterte sie erfüllt von Grauen.
Sie versuchte nach hinten auszuweichen doch ihr Verfolger packte sie an den Arm und zwang sie so mit an Ort und Stelle zu verharren.
Leicht grinsend beugte er sich vor bis sein Gesicht dem ihrem sehr war.
"Weißt du was das bedeutet?" fragte er sie erregt. Sie nickte niedergeschlagen. Plötzlich ließ er von ihr ab und tat einige Luftsprünge.
"Du übernimmst meine Aufgaben auf dem Hof und ich kann früher zum Lichterfest!" jubilierte ihr Bruder triumphierend und wacklte grinsend mit den Spitzen Ohren.
Alana zog eine Schnute und schwieg. Widerspruch war zwecklos. Wer sich ungesehen an den anderen heranschlich hatte gewonnen, dass war die Abmachung die die Geschwister vereinbart hatten. Der Verlierer übernahm die täglichen Aufgaben des anderen, denn diese mussten, Lichterfest hin oder her, erledigt werden.
"Keine Sorge ich erzähl dir morgen wie prächtig es war als die Artisten der Königin ihren Lichtertanz aufführen." meinte der Elf lachend. "Im Stall wirst du davon wohl nicht viel mitbekommen."
"Schon gut, lass das." brummte Alana genervt. Sie musste heute nicht nur die Tiere füttern und in die Stallungen treiben, sie musste diese nun auch vorher ausmisten.
Versöhnlich legte Isan einen Arm um ihre Schultern.
"Vielleicht kann ich ja ein bisschen helfen."
"Nein. Du hast gewonnen. Geh ruhig und amüsier dich."
Ihr Bruder drückte ihr einen Kuss auf die Wange und rannte auf die Lichtung zu, wo sich ihr Hof befand, um seine Tasche zu holen. Seufzend folgte Alana ihm. Sie rannte nicht, doch fiel sie in einen Trab, immerhin wollte sie schnell mit der Arbeit fertig werden um ihrer Familie zu folgen, denn auch sie war bereits gespannt die Königin zu sehen. Seit dem Krieg vor zwei Jahren war endlich wieder Ruhe eingekehrt und die ausgelassenen Feiern konnten wieder stattfinden.
Nun fing Alana doch an zu rennen, wenn sie an das hellgrün schimmernde Kleid dachte, dass auf ihrem Bett lag. Voller Vorfreude betrat sie die Lichtung.

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